Sie hat an jeden Handgriff gedacht, jeden Schritt gezählt. Jeden Weg durch die Küche hat Margarete Schütte-Lihotzky vermessen und abgezirkelt, die Arbeitsgänge der Hausfrau mit der Stoppuhr gemessen. Als Ergebnis entwickelte die österreichische Architektin und Innenraumgestalterin vor rund 80 Jahren ihre "Frankfurter Küche". Der Normaltypus dieser weltweit ersten Einbauküche fand auf nicht einmal sieben Quadratmetern Platz und bot allerlei praktische Extras: Das Bügelbrett ließ sich mühelos herunterklappen, ein Tellergestell über der Spüle ersparte das Abtrocknen, und durch das Loch in der Arbeitsplatte landeten Gemüseabfälle direkt in der Müllschublade. Die ursprünglich vorgesehene tiefblaue Farbe der Küche sollte Fliegen fernhalten, und abgerundete Betonsockel erleichterten die Reinigung des Fußbodens.
Jahrzehntelang wurde die superfunktionale "Frankfurter Küche" in unterschiedlichen Varianten eingebaut. Erst mit dem Kühlschrank kam ihr Ende, denn für solch moderne Zugaben gab es im exakt bemessenen Hausfrauenlabor einfach keinen Platz. Unzählige von Schütte-Lihotzkys Küchen landeten kurzerhand auf dem Sperrmüll - bis in die 80er-Jahre hinein. Von den rund 10.000 Küchen, die einst vor allem für den Frankfurter Siedlungsbau fabriziert worden waren, seien heute vielleicht hundert erhalten, so die grobe Schätzung von Ellen Stelter, Designexpertin beim Auktionshaus Sotheby's in London. Dort wird am 2. Mai eine der raren Restküchen unter den Hammer kommen - und zwar eine Luxusvariante mit großer frei stehender Hauptanrichte, entworfen und hergestellt für den komfortablen Professoren-Wohntrakt eines Krankenhauses in Niederrad bei Frankfurt. Bis zuletzt war diese "Frankfurter Küche" dort in Funktion. Bei Sotheby's soll sie nun 22.000 bis 37.000 Euro bringen.
Quelle: Welt Online
Kategorie: Küchen-Endkunden






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